Adipositas und Sex (3): Wie eine Erektion im Körper entsteht
Shownotes
Eine Erektion beginnt nicht dort, wo du sie erwartest. Sie startet im Gehirn, wenn dieses sexuelle Reize verarbeitet. Über das Nervensystem werden Signale weitergeleitet. Blutgefäße erweitern sich, Blut strömt in das Schwellkörpergewebe des Penis. Damit das funktioniert, müssen Nerven und Blutgefäße gesund sein.
Das ist besonders wichtig, wenn du Diabetes hast. Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können Nerven und Blutgefäße schädigen. Beide brauchst du aber für eine Erektion. Deshalb können Erektionsprobleme ein Hinweis auf gesundheitliche Ursachen sein, die ärztlich abgeklärt werden sollten.
Barbara Müller erklärt auch, welche Rolle Stickstoffmonoxid, kurz NO, spielt. Dieser Botenstoff hilft, die Blutgefäße zu entspannen, damit Blut in die Schwellkörper einströmen kann. Und sie bespricht, wie Alkohol die sexuelle Reaktion beeinflusst: Er kann zwar Hemmungen abbauen, aber gleichzeitig die körperliche Reaktion stören.
Die Folge klärt auf, warum Potenzpillen keine einfache Lösung sind. Medikamente können helfen, ersetzen aber keine medizinische Abklärung. Die Ursache der Beschwerden sollte immer ärztlich untersucht werden.
Eine wichtige Botschaft: Eine Erektionsstörung ist kein persönliches Versagen und kein Beweis für Männlichkeit. Oft spielen mehrere Faktoren zusammen – körperliche und psychische. Wenn Beschwerden wiederkehrend auftreten, lass sie medizinisch abklären.
Hinweis: Diese Folge ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei wiederkehrenden Erektionsproblemen wende dich bitte an eine Arztpraxis.
Wichtige Themen der Folge
- Wie eine Erektion entsteht: Gehirn, Nerven, Blutgefäße und Blut
- Die Rolle von Stickstoffmonoxid (NO) bei der sexuellen Reaktion
- Warum Diabetes Nerven und Blutgefäße schädigen kann
- Was Alkohol mit sexueller Leistungsfähigkeit zu tun hat
- Potenzpillen: Warum Medikamente keine einfache Lösung sind
- Wie Körper und Psyche bei Erektionen zusammenwirken
- Erektionsprobleme als möglicher Hinweis auf gesundheitliche Ursachen
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Transkript anzeigen
00:00:00: Barbara Müller: Eine Erektion ist keine Frage von Willenskraft. Sie entsteht durch ein erstaunliches Zusammenspiel von Kopf, Nerven und Blutgefäßen. Ja, hallo ihr Lieben, ich freue mich so, dass ihr da seid. Hier ist Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG. Und wir sind zurück bei unserer Reihe. Und endlich reden wir über Sex und Potenz.
00:00:30: Barbara Müller: Und natürlich ist auch Dennis wieder dabei. Er ist siebenundvierzig Jahre, er ist Architekt. Er wiegt einhundertsechsunddreißig Kilo, vielleicht jetzt schon etwas weniger. Er ist Liebhaber von gutem Wein, von langen Abenden und eher kurzen Beziehungen. In Teil eins kam Dennis zu mir, weil sein, wie er es nennt, kleiner Mann plötzlich nicht mehr zuverlässig mitmachen wollte.
00:00:58: Barbara Müller: Wir haben darüber gesprochen, warum Erektionsprobleme kein Männlichkeitstest sind und warum wiederkehrende Beschwerden medizinisch unbedingt abgeklärt werden sollten. Und Dennis war tatsächlich beim Arzt. Sein Blutdruck war zu hoch, er wurde eingestellt. Er hat auch seine Ernährung umgestellt. Seine Blutfette und seine Blutzuckerwerte haben sich schon deutlich verbessert.
00:01:26: Barbara Müller: In Teil zwei ging es dann um den Kopf. Leistungsdruck, Versagensangst und die ständige Frage: Funktioniert es diesmal? Heute möchte Dennis endlich wissen: "Barbara, was passiert da unten eigentlich genau?" Ich schaue ihn an: "Dennis, möchtest du die kurze oder die ausführliche Antwort?" "Barbara, erst mal die kurze."
00:01:53: Barbara Müller: Gehirn, Nerven, Blutgefäße, Blut. Dennis schaut mich an: "Barbara, das ist zu kurz." Dann willkommen in Teil drei.
00:02:10: Barbara Müller: Der Architekt möchte einen Bauplan. Dennis ist Architekt. Natürlich will er einen Bauplan. Also sagt er: "Wo fängt das Ganze an?" Ich tippe mir an den Kopf. "Barbara, nicht schon wieder der Kopf." Doch, denn eine Erektion beginnt tatsächlich nicht dort, wo man sie am Ende sieht. Am Anfang steht ein sexueller Reiz, eine Berührung, ein Blick, ein Kuss, eine Fantasie oder ein Gedanke.
00:02:45: Barbara Müller: Unser Gehirn nimmt diese Reize wahr und verarbeitet sie. Von dort werden über das Nervensystem Signale weitergegeben. Dennis hebt die Hand. "Also gibt mein Gehirn quasi einen Bauauftrag." Ja, Dennis, wenn du unbedingt in Architektensprache reden willst, ja, so ungefähr. "Sehr gut, Barbara. Jetzt verstehe ich es."
00:03:13: Barbara Müller: Ich hatte gehofft, dass dieser Moment irgendwann kommt. Jetzt kommt Blut ins Spiel. Die Nachricht ist also angekommen, aber damit ist noch keine Erektion da. Jetzt müssen sich die Blutgefäße erweitern. Dadurch kann mehr Blut in das Schwellkörpergewebe des Penis einströmen. Die Schwellkörper füllen sich und gleichzeitig muss das Blut dort ausreichend gehalten werden.
00:03:43: Barbara Müller: Dadurch wird der Penis größer und fester. Dennis nickt. "Barbara, ist das Hydraulik?" Ja, sehr vereinfacht, aber als Bild, Dennis, gar nicht so schlecht. Damit dieses System funktioniert, müssen die Blutgefäße entsprechend reagieren können. Und deshalb lohnt sich bei wiederkehrenden Erektionsproblemen auch ein Blick auf die allgemeine Gefäßgesundheit, zum Beispiel auf den Blutdruck, den Blutzucker, die Blutfette, Rauchen, Bewegung, Gewichtsreduktion, Medikamente und andere gesundheitliche Faktoren.
00:04:30: Barbara Müller: Die Nerven bringen die Nachricht. Das Nervensystem spielt bei der sexuellen Reaktion eine ganz wichtige Rolle. Schließlich muss die Information vom Gehirn dort ankommen, wo etwas passieren soll. Dennis fragt: "Barbara, also eine Art Telefonleitung?" Ja, Dennis, eine ziemlich komplexe. "Und Barbara, wenn die Leitung gestört ist?"
00:04:58: Barbara Müller: Tja, dann können Signale schlechter weitergeleitet werden. Das kann zum Beispiel bei bestimmten Erkrankungen relevant sein. Auch langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können die Nerven schädigen. Und genau deshalb sprechen wir in einem Podcast rund um Diabetes und Stoffwechsel auch über die Sexualität.
00:05:24: Barbara Müller: Denn Diabetes betrifft nicht nur einen Laborwert. Langfristig können unter anderem Nerven und Blutgefäße betroffen sein. Und beide brauchen wir für eine funktionierende Erektion. Dennis schaut mich an. "Barbara, langsam verstehe ich, warum du mich zum Arzt geschickt hast."
00:05:53: Barbara Müller: Das bedeutet nicht, dass jeder Mann mit einem dieser Faktoren automatisch Erektionsprobleme bekommt. Und hinter einer Erektionsstörung steckt auch nicht automatisch eine schwere Erkrankung. Aber, und das ist wichtig, wiederkehrende Probleme sollte man ernst nehmen und medizinisch abklären lassen. Dennis schaut mich an.
00:06:20: Barbara Müller: "Barbara, mein Penis ist also eine Art Gesundheitsmelder." Ich würde ihn jetzt nicht mit einem Rauchmelder vergleichen. Warum denn nicht? Weil ich ahne, was du daraus für einen Spruch machst. Und dann kommt dieses kleine Molekül ins Spiel. "Du hast letztes Mal irgendwas von Stickstoff erzählt", fragt Dennis. Ja, Stickstoffmonoxid.
00:06:51: Barbara Müller: "Barbara, das klingt nicht nach Sex." Hm. Ja, Dennis. Ist aber ziemlich wichtig. Stickstoffmonoxid, kurz NO, ist ein Botenstoff im Körper. Bei sexueller Erregung spielt es eine ganz wichtige Rolle bei der Entspannung der Glattenmuskulatur und der Erweiterung der Blutgefäße im Penis. Dadurch kann mehr Blut in das Schwellkörpergewebe einströmen.
00:07:21: Barbara Müller: Dennis schaut mich an. "Barbara, so ein kleines Molekül entscheidet darüber, ob mein Abend erfolgreich wird?" Dennis, bitte fang jetzt keinen persönlichen Streit mit einem Molekül an. Es müssen mehrere Dinge zusammenspielen. Und genau das ist die wichtigste Botschaft dieser Folge.
00:07:50: Barbara Müller: Eine Erektion entsteht nicht durch einen einzigen Schalter. Das Gehirn nimmt sexuelle Reize wahr. Die Nerven leiten Signale weiter. Botenstoffe helfen dabei, dass sich die Gefäße und die glatte Muskulatur verändern. Blut strömt in die Schwellkörper. Und gleichzeitig sollte der Mensch möglichst nicht mit dem maximalen Stress daneben stehen und denken: "Los jetzt, funktioniere."
00:08:21: Barbara Müller: Dennis zeigt auf mich. Da sind wir wieder bei Teil zwei. Ganz genau. Denn Körper und Psyche lassen sich bei Sexualität nicht sauber voneinander trennen. Und Barbara, was ist denn mit dem Alkohol? Dennis ahnt bereits, was jetzt kommt. Barbara, jetzt sag bitte nicht keinen Wein mehr. Wein, Alkohol kann zunächst Hemmungen reduzieren.
00:08:47: Barbara Müller: Man fühlt sich vielleicht etwas lockerer, entspannter. Aber größere Mengen können gleichzeitig die körperliche sexuelle Reaktion beeinträchtigen. Dennis seufzt. Also Barbara, oben Party, unten Betriebsversammlung. So würde es vermutlich kein medizinisches Lehrbuch formulieren. Aber du hast schon recht. Was hat Diabetes damit zu tun?
00:09:19: Barbara Müller: Dennis wird ganz ernst. Und wenn mein Blutzucker irgendwann tatsächlich zu hoch ist, Barbara? Dennis, langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können unter anderem Nerven und Blutgefäße schädigen. Aber für eine Erektion brauchen wir beides: funktionierende Nerven und funktionierende Blutgefäße. Deshalb können sexuelle Funktionsstörungen auch im Zusammenhang mit Adipositas und Diabetes auftreten.
00:09:54: Barbara Müller: Nicht jeder Mensch mit Diabetes entwickelt Erektionsprobleme. Und Erektionsprobleme bedeuten umgekehrt nicht automatisch, dass jemand Diabetes hat. Sie können viele unterschiedliche Ursachen haben. Genau deshalb ist eine medizinische Abklärung wichtig. Wir wollen nicht raten, wir wollen hinschauen.
00:10:27: Barbara Müller: Barbara, was ist mit Potenzpillen? Dennis rutscht auf seinem Stuhl nach vorn. Barbara und diese blauen Pillen oder Tabletten, funktionieren die? Ja, bestimmte Medikamente können bei Erektionsstörungen eingesetzt werden. Also das ist doch klasse. Problem gelöst. Dennis, so einfach ist es nicht. Medikamente ersetzen keine sinnvolle Abklärung.
00:10:58: Barbara Müller: Es ist wichtig zu wissen, warum Erektionsprobleme auftreten und welche gesundheitlichen Faktoren vorliegen. Außerdem sind solche Medikamente nicht für jeden Menschen gleichermaßen geeignet und können Wechselwirkungen oder Gegenanzeigen haben. Deshalb gehören die Auswahl und die Anwendung in ärztliche Hände.
00:11:26: Barbara Müller: Dennis sieht mich ganz enttäuscht an. Ich dachte, Barbara, jetzt kommt die einfache Lösung. Dennis, du kennst mich inzwischen. Leider.
00:11:45: Barbara Müller: Barbaras Mutmacher. Vielleicht hast du dich in diesen ersten drei Folgen an der ein oder anderen Stelle wiedererkannt. Dann möcht ich dir etwas mitgeben. Eine Erektion ist kein Beweis für Männlichkeit und eine Erektionsstörung ist auch kein persönliches Versagen. Damit eine Erektion entstehen kann, müssen Gehirn, Nervensystem, Botenstoffe und Blutgefäße zusammenspielen.
00:12:17: Barbara Müller: Gesundheitliche Faktoren können dieses Zusammenspiel beeinflussen. Die Psyche kann es beeinflussen und manchmal kommt auch beides zusammen. Wenn Erektionsprobleme wiederholt auftreten und über längere Zeit bestehen, lass sie einfach medizinisch abklären. Dennis steht auf. Barbara, ich fass das jetzt mal zusammen.
00:12:43: Barbara Müller: Ja, mach mal. Mein Kopf muss mitmachen. Ja. Meine Nerven müssen die Nachrichten weitergeben. Ja. Meine Gefäße müssen funktionieren. Richtig. Und Stickstoffmonoxid, das darf ich nicht beleidigen. Ich fang an zu lachen. Dennis, das ist medizinisch nicht unbedingt der wichtigste Punkt. Dennis geht zur Tür und dreht sich noch einmal um.
00:13:11: Barbara Müller: Barbara, je mehr ich darüber weiß, desto weniger finde ich das Ganze peinlich. Und genau deshalb machen wir diese Reihe. Endlich reden wir über Sex und Potenz. Nicht, um jemanden bloßzustellen, sondern weil Sexualität ein Teil unserer Gesundheit und unserer Lebensqualität sein kann. Ich bin eure Barbara Müller.
00:13:39: Barbara Müller: Schön, dass ihr da wart. In der nächsten Folge geht es um die Frage: Was kann man eigentlich tun, wenn Erektionsprobleme bleiben? Wir sprechen über Behandlungsmöglichkeiten, warum die Ursache eine Rolle spielt und weshalb die berühmte kleine Tablette nicht die ganze Geschichte ist. Dennis schaut noch einmal durch die Tür.
00:14:06: Barbara Müller: Barbara, die blaue. Dennis. Ich frage: Nur für die nächste Folge. Ihr Lieben, bis bald. Alles Gute. Wenn ihr mich unterstützen wollt, dann bewertet bitte den Podcast und empfehlt ihn weiter. Alles Gute. Hier war eure Barbara. Tschüss.
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