Entzündungen wegessen? Adipositas und chronische Entzündungen

Shownotes

Anhand des Beratungsgesprächs mit Gabi – die im Fotogeschäft arbeitet, acht bis neun Stunden sitzt und mit Knie- und Rückenschmerzen sowie steifen Händen zu kämpfen hat – erklärt Barbara Müller anschaulich, was eine chronische Entzündung von einer akuten unterscheidet, warum Fettgewebe biologisch aktiv ist und welche Rolle Stress, Schlaf und Bewegung dabei spielen.

Klar wird dabei vor allem eines: Es geht nicht um einzelne „Wundermittel“ wie Tomaten, Ingwer oder Blaubeeren, sondern um das gesamte Ernährungsmuster über einen längeren Zeitraum. Barbara Müller gibt konkrete, alltagstaugliche Empfehlungen – von Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten bis hin zu fettreichem Seefisch – und macht deutlich: Eine solche Ernährung ersetzt keine ärztliche Behandlung, sondern kann sie sinnvoll unterstützen. Schmerzmedikamente gehören daher immer in ärztliche Hände.

Wie es Gabi vier Wochen später geht, welche kleinen Veränderungen sie im Alltag umgesetzt hat und warum es dabei nicht um Perfektion, sondern um kleine, machbare Schritte geht, erfahren Sie in dieser Folge.

Das erwartet Euch in dieser Folge:

  • Was eine chronische, niedergradige Entzündung von einer akuten Entzündung unterscheidet
  • Welche Faktoren – von Stoffwechsel bis Schlaf – bei Adipositas und Entzündungen zusammenspielen
  • Warum einzelne Lebensmittel keine „Wundermittel“ sind, sondern das gesamte Ernährungsmuster zählt
  • Konkrete, alltagstaugliche Beispiele für eine antientzündlich ausgerichtete Ernährung
  • Warum kleine Schritte bei Ernährung und Bewegung oft mehr bewirken als radikale Umstellungen
  • Weshalb Schmerzmedikamente nie eigenmächtig verändert werden sollten

Hinweis: Diese Folge ersetzt keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Besprecht insbesondere die Einnahme oder Anpassung von Medikamenten immer mit eurem Arzt oder eurer Ärztin.

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Barbara Müller: Gesundheit beginnt nicht mit einer perfekten Ernährung, sondern mit Lebensmitteln, die deinem Körper häufiger guttun als wehtun. Hallo ihr Lieben, schön, dass ihr wieder da seid. Hier ist eure Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG. Macht es euch gemütlich, vielleicht mit einem Kaffee oder einem Tee. Und keine Sorge, heute müsst ihr weder an einer Selleriestange knabbern noch dein Abendessen mit Chiasamen tapezieren.

Barbara Müller Es geht um Adipositas und um antientzündliche Ernährung, aber ganz alltagstauglich, lecker und ohne Ernährungszirkus. Heute geht es um Gabi und den Zeitschriftenartikel. Ich hole Gabi aus dem Wartezimmer. Sie setzt sich und legt sofort einen Zeitschriftenartikel auf meinen: Tisch. Die Überschrift: "Entzündungen wegessen." Barbara Müller: "Barbara, das will ich." Was genau? "Die Entzündung wegessen. Ich dachte so an zwei Tomaten, drei Himbeeren und ein Stück Lachs." Ja und dann? "Ja, Montag bin ich gesund, brauche keine Schmerzmedikamente mehr." Jetzt muss ich doch mal lachen. Gabi, dann wären Ernährungsberaterinnen ja ziemlich schnell arbeitslos. Barbara Müller: "Schade, Barbara, ich hatte schon einen Einkaufszettel." Gabi erzählt von ihrem Alltag. Gabi arbeitet in einem Fotogeschäft und sitzt dort acht bis neun Stunden täglich. Ja, Gabi und bewegst du dich auch mal zwischendurch? Hm, sie denkt nach. "Barbara, ich gehe zum Drucker." Wie weit ist das denn? "So sieben Schritte."

Barbara Müller Na ja, das ist nicht gerade eine Alpenüberquerung. "Aber Barbara, wenn das Papier leer ist, gehe ich zweimal.": Na ja, Gabi, du hast ja wirklich Humor. Aber Gabis Beschwerden sind ernst. Knie, Rückenschmerzen. Morgens sind die Hände ganz steif und sie nimmt ziemlich viele Schmerzmittel. Einige hat sie sich zusätzlich selbst in der Apotheke besorgt. Barbara Müller: Deshalb klären wir etwas ganz Wichtiges: Schmerzmittel werden nicht eigenmächtig eingenommen. Eine antientzündliche Ernährung kann eine medizinische Behandlung unterstützen. Sie ersetzt sie nicht. Gabi, ich bitte dich, geh zu deinem Hausarzt, nimm alle deine Schmerzmedikamente mit und bespreche genau mit ihm, was du einnehmen sollst.

Barbara Müller "Und Barbara, wenn ich mehr Blaubeeren esse?" Auch dann. Gabi meint, diese Blaubeeren können aber auch gar nichts.: Das Feuer im Körper. Ich male ein kleines Lagerfeuer auf mein Flipchart. Gabi schaut drauf. "Barbara, grillen wir jetzt?" "Nein." "Oh, das ist aber schade." Eine Entzündung ist zunächst eine sinnvolle Reaktion unseres Immunsystems. Barbara Müller: Wenn wir uns verletzen oder einen Infekt haben, reagiert unser Körper. Eine akute Entzündung ist ein bisschen wie die Feuerwehr. Sie kommt, löscht den Brand und fährt anschließend wieder nach Hause. Aber bei einer chronischen, niedergradigen Entzündung ist das anders. Da glimmt das Feuer gewissermaßen weiter und ist immer da.

Barbara Müller Verschiedene Faktoren können dabei zusammenspielen, zum Beispiel Adipositas, Stoffwechselerkrankungen, Stress, schlechter Schlaf, Rauchen oder: Bewegungsmangel und noch viele andere Ursachen. Und auch das Fettgewebe spielt eine große Rolle, denn Fettgewebe ist biologisch aktiv. Es speichert nicht nur Energie, sondern bildet auch Hormone und andere Botenstoffe. Barbara Müller: Und bei stark vergrößertem Fettgewebe können vermehrt entzündungsfördernde Signale entstehen. Jetzt schaut mich Gabi an. "Barbara, mein Fettgewebe arbeitet?" "Ja." "Na ja, Barbara, dann ist wenigstens einer in meinem Körper fleißig." "Gabi, du bist mir eines", ich fäng an zu lachen. Dann wird sie ernst. "Also bin ich da dran selbst schuld."

Barbara Müller Da hab ich gesagt "Nein, Gabi. Adipositas ist eine komplexe chronische Erkrankung. Gene, Stoffwechsel, Medikamente, Schlaf, physische: Belastungen, Bewegung, soziales Umfeld und auch die Ernährung können zusammenspielen. Und Schuld hilft uns nicht. Verstehen, das hilft uns." "Ja und kann man Entzündung denn jetzt wegessen?" Barbara Müller: "Na ja." "Jetzt geht's um meine Tomaten, Barbara."

Barbara Müller Gabi, eine einzelne Tomate löscht keine chronischen Entzündungen. Auch Ingwer, Kurkuma oder eine Handvoll Beeren sind keine Wundermedikamente. Entscheidend ist das gesamte Ernährungsmuster über eine längere Zeit. Ganz praktisch dürfen häufiger auf dem Teller sein Gemüse, Salat, Obst, Beeren, Linsen, Bohnen, Hülsenfrüchte, gute Vollkornprodukte, Nüsse, Samen, viele Kräuter, gute Öle und regelmäßig sollte auch ein: fettreicher Seefisch dazugehören. Barbara Müller: Dafür, Gabi, dürfen stark verarbeitete Lebensmittel und zuckergesüßte Getränke etwas seltener auftauchen. Die sind nicht verboten. Nicht nur ständig der Ehrengast. Tomaten, Beeren, Omega drei. Ja, was ist denn nun mit meinen Tomaten? Die dürfen bleiben. Barbara Müller: Tomaten enthalten Lycopin. Beeren liefern unter anderem Polyphenole und viele Ballaststoffe. Nüsse und Samen bringen wertvolle ungesättigte Fettsäuren mit. Omega-3-Fettsäuren finden wir zum Beispiel in fettreichem Seefisch. Pflanzliche Quellen sind unter anderem Walnüsse, Rapsöl, Leinöl und Leinsamen.

Barbara Müller Gabi überlegt. Also Barbara, Vollkornnudeln mit: Tomatensoße und Gemüse. Ja, das ist doch sehr gut. Etwas Olivenöl dazu, das passt. Barbara, endlich eine Ernährung, bei der die Spaghetti nicht verhaftet werden. Genau, darum geht es. Nicht um ein einzelnes Superfood. Die Mischung macht es. Und die Bohnen? Barbara Müller: Ballaststoffe sind ebenfalls interessant. Sie stecken zum Beispiel in Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüsse und auch in Obst. Und bestimmt Darmbakterien, Gabi, nutzen die Ballaststoffe als Nahrung. Jetzt schaut die Gabi mich aber ganz skeptisch an. Hülsenfrüchte, Barbara, heißt Bohnen. Ja, unter anderem.

Barbara Müller Dann werden meine Kolleginnen im Fotogeschäft ja ganz begeistert sein, wenn ich pupse. Gabi, wir starten mit kleinen Mengen. Auch das ist Ernährungsberatung.: Nicht montags das komplette Leben umkrempeln und Dienstag schon keine Lust mehr haben. Gabi, kleine Schritte. Was kommt morgen auf den Teller? Wir machen keinen komplizierten Ernährungsplan. Barbara Müller: Wir machen keine Detox-Kur, keinen Safttag und auch keinen Entzündung-weg-in-48-Stunden-Tee. Gabi, du kannst zum Beispiel morgens Haferflocken mit Joghurt, Beeren und Walnüssen essen. Mittags Vollkornnudeln mit Tomaten, Gurkensoße oder vielleicht einen Linsensalat. Ja und Barbara, was ist mit meinem Schokoriegel?

Barbara Müller Der wird nicht verhaftet. Gabi atmet auf. Gott sei Dank. Aber Gabi, wir schauen genauer hin. Ist es wirklich Hunger oder hast du Stress? Hast du Langeweile? Ist es: Gewohnheit? Denn auch das gehört zu einer langfristigen Ernährungsumstellung. Barbara Müller: Ja und Gabi, was ist mit Bewegung? Ernährung ist nur ein Teil. Auch guter Schlaf, weniger Stress und mehr Bewegung spielen eine Rolle. Barbara, aber Sport geht mit meinen Schmerzen kaum. Dann starten wir nicht mit Sport. Ja und was machen wir, Barbara? Mit Bewegung. Du stehst beim Telefonieren auf, gehst einmal mehr zum Drucker. Barbara Müller: Nach dem Mittagessen ein paar Minuten laufen. Sieben Schritte zum Drucker? Das kann ich. Dann schaffst du langsam auch ein bisschen mehr. Sehr gut. Jetzt wird Gabi übermütig.

Barbara Müller Vier Wochen später. Diesmal: hat Gabi eine Dose dabei. Was ist denn darin? Vollkornnudeln mit Tomatensoße, Zucchini, Paprika, weiße Bohnen, Basilikum und etwas Parmesan. Barbara, stell dir vor, meine Kollegin wollte die Hälfte. Und hast du was abgegeben? Ich habe ihr das Rezept gegeben. Mein Essen gebe ich nicht her. Barbara Müller: Jetzt fangen wir beide an zu lachen. Dann wird's ernst. Barbara, meine Schmerzen sind nicht weg. Das habe ich auch nicht erwartet. Aber Barbara, ich fühle mich den Schmerzen nicht mehr so ausgeliefert. Und Barbara, ich war auch bei meinem Hausarzt und wir haben die Schmerzmedikamente überprüft und er hat sie deutlich reduziert.

Barbara Müller Ich esse jetzt häufiger Gemüse und nach der Mittagspause bin ich jetzt schon zweimal um das Gebäude gelaufen. Und Gabi, wie war's? Barbara, beim: ersten Mal schrecklich und beim zweiten Mal auch. Aber Barbara, ich war stolz. Und genau das ist der Punkt. Barbara Müller: Jetzt kommt noch mein kleiner Mutmacher. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ihr müsst nicht morgen euren Kühlschrank ausräumen und ein neues Leben beginnen. Fangt ganz klein an, vielleicht mit einer zusätzlichen Portion Gemüse, ein paar Beeren, eine Handvoll Nüsse, eine Portion Linsen oder Bohnen oder ein paar Minuten Bewegung.

Barbara Müller Eine antientzündlich ausgerichtete Ernährung ist keine Wunderkur. Sie ersetzt auch keine Medikamente und keine medizinische Behandlung. Aber sie kann deinem Körper regelmäßig etwas: Gutes tun. Nicht eine Tomate verändert dein Leben. Es sind die vielen kleinen Entscheidungen, die du irgendwann im Alltag triffst. Barbara Müller: Du musst dich nicht perfekt ernähren und dein Körper braucht auch keine Strafe. Er braucht Unterstützung. Ihr Lieben, ich bin Barbara Müller. Passt bitte gut auf euch auf und vielleicht bringt ihr ein bisschen mehr Farbe auf euren Teller. Bis zum nächsten Mal. Alles Liebe, eure Barbara. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet bitte den Podcast und empfehlt ihn weiter. Barbara Müller: Und tschüss.

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