Isst du noch echte Lebensmittel?

Shownotes

In dieser Folge erfährst du, was hochverarbeitete Lebensmittel mit deinem Körper machen, warum Emulgatoren die schützende Schleimschicht im Darm angreifen können und wieso Zucker, Fett und Salz unser Belohnungssystem so stark aktivieren, dass wir kaum aufhören können zu essen.

Barbara erklärt außerdem locker und verständlich den Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz, und wie es bei einer Laktose- oder Fruktoseintoleranz im Bauch wirklich zugeht.

Ein weiteres großes Thema: Mikroplastik. Es steckt inzwischen im Fisch, im Trinkwasser und sogar in unserem Blut – was bedeutet das für unsere Gesundheit? Und was kannst du ganz praktisch tun, wenn es um Plastikverpackungen geht?

Zum Schluss geht es um die Darm-Hirn-Achse: Wusstest du, dass dein Darm ständig mit deinem Gehirn kommuniziert und sogar deine Stimmung beeinflusst? Sarahs Alltag verändert sich stark, als sie anfängt, wieder frischer zu kochen…

Eine Folge voller Aha-Momente, erzählt mit ganz viel Wärme, Humor und echten Alltagsmomenten.

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00:00:00: Barbara Müller: Der Körper besteht aus Zellen, nicht aus Zusatzstoffen. Und nicht alles, was lange haltbar ist, hält auch uns gesund. Hallo ihr Lieben, hier ist wieder eure Barbara Müller, Diabetesberaterin der DK. Wie schön, dass ihr wieder zuhört. Ich freue mich, dass ihr wieder da seid. Und heute sprechen wir über etwas, das wir alle jeden Tag tun: essen.

Barbara Müller Aber die eigentliche Frage lautet Essen wir überhaupt noch echte Lebensmittel oder eher Produkte, die aus einem Lebensmittellabor kommen? Denn manchmal sieht ein Erdbeerjoghurt zwar gesund aus, hat aber mit einer echten: Erdbeere ungefähr so viel gemeinsam wie ein Gartenzwerg mit einem echten Menschen. Barbara Müller: Und genau darüber sprechen wir heute. Barbara Müller: Die Geschichte um Sarah. Sarah ist 38 Jahre. Sie ist Marketingchefin. Sie ist mollig, aber sie ist eine sehr hübsche Frau. Sie ist viel unterwegs. Ein Meeting nach dem anderen. Laptop dabei, Kaffeestress, ja, und Essen. So nebenbei. Sie hat eine Laktose- und eine Fruktoseunverträglichkeit. Deshalb kommt sie zu mir in die Sprechstunde.

Barbara Müller: Meistens eher so nebenbei. Sie erzählt mir von ihrem Alltag: „Morgens esse ich meistens ein Proteinriegel, mittags oft einen Fertigsalat mit einem Light-Dressing. Ich will mich ja gesund ernähren. Nachmittags ein Cappuccino oder ein Latte und ein Müsliriegel. Ja, und abends, ich komme spät nach Hause, meistens ein Tiefkühlgericht, das in die Mikrowelle kommt oder Sushi von der Tankstelle." Barbara Müller: Und irgendwann sagt Sarah zu mir: „Barbara, ich esse doch ständig. Warum habe ich trotzdem keine richtige Energie?" Ja, und genau da beginnt unsere Geschichte.

Barbara Müller Hochverarbeitete Lebensmittel. Was bedeutet denn das eigentlich?: Jetzt wird's ein bisschen wissenschaftlich, aber ganz entspannt erklärt. Hochverarbeitete Lebensmittel, das sind Produkte, die industriell stark verändert wurden. Sie enthalten oft Zusatzstoffe, Aromen, Emulgatoren, viele Konservierungsmittel, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, auch künstliche Süßstoffe und so weiter.

Barbara Müller Und häufig aber auch viel Zucker, schlechte Fette und ganz, ganz wenig Ballaststoffe. Es fehlen auch oft Vitamine und Mineralstoffe. Warum sind denn diese Produkte problematisch? Unser Körper liebt eigentlich ganz einfache Lebensmittel. Gemüse, Obst, Nüsse, Fisch, Fleisch. Vor allen Dingen liebt er frische Nahrung, denn damit: arbeitet unser Stoffwechsel seit Tausenden von Jahren. Barbara Müller: Doch moderne Fertigprodukte verändern oft die Darmflora, das Sättigungsgefühl. Entzündungsprozesse entstehen im Körper, die Hormone verändern sich. Und genau deshalb fühlen sich viele Menschen trotz Essen ganz müde, erschöpft und viele sind wie Sarah auch antriebsarm. Barbara Müller: Sarah schaut mich irgendwann an und fragt: „Barbara, kann Essen wirklich so viel im Körper verändern?" Und die Antwort lautet: Ja, viel mehr, als wir lange gedacht haben.

Barbara Müller Jetzt reden wir über Emulgatoren. Ich erkläre es einfach. Jetzt wird's spannend. Fast wie in einem: kleinen Ernährungskrimi. Emulgatoren sorgen dafür, dass sich Fett und Wasser verbinden. Barbara Müller: Emulgatoren sind zum Beispiel in Eiscreme, in Fertigsoßen, in Pudding, in Lightprodukten, in Süßwaren. Sie machen Produkte cremig, haltbar und schön glatt. Das Problem ist, einige Emulgatoren können die Schleimschicht im Darm beeinflussen und diese Schleimschicht ist unglaublich wichtig. Sie schützt unseren Darm wie eine kleine Schutzmauer.

Barbara Müller Wird diese Schutzschicht empfindlicher und löchrig, können die Entzündungen zunehmen, die Darmbakterien verändern sich und es können viele Beschwerden entstehen. Wissenschaftlich diskutiert man inzwischen sogar: Zusammenhänge mit Übergewicht, chronischen Entzündungen, mit Reizdarm. Auch viele Stoffwechselerkrankungen können dadurch entstehen. Barbara Müller: Das Mikrobiom verändert sich. Barbara Müller: Jetzt kommt der Barbara-Moment. Sarah hat einen Proteinpudding mitgebracht. Den mag sie total gerne. Und wir schauen uns gemeinsam die Zutatenliste an. Und dann auf einmal schaut Sarah ganz irritiert. "Barbara, wenn ich das laut vorlese, klingt das wie ein Chemiebaukasten-Experiment. Barbara, warum macht man so etwas überhaupt?"

Barbara Müller Und: ehrlich, Sarah, das ist eine ziemlich gute Frage. Barbara Müller: Warum enthalten Fertigprodukte eigentlich so viele Zusatzstoffe? Ja, das ist ganz einfach. Damit sie länger halten. Die Konservierungsstoffe verhindern, dass das Joghurt schimmelt, dass sich Bakterien ansiedeln und vermehren, dass sie einfach schnell verderben. Und die Geschmacksverstärker sorgen oft dafür, dass wir mehr davon essen möchten.

Barbara Müller Und die künstlichen Aromen, die täuschen dem Gehirn manchmal vor, das schmeckt ja nach echter Frucht, auch wenn gar keine echte Frucht enthalten ist. Ja, und unser Gehirn, das liebt hochverarbeitete Produkte. Jetzt kommt ein ganz: wichtiger Punkt: Viele Fertigprodukte kombinieren ganz schlau Zucker, Fett und Salz. Barbara Müller: Und genau diese Kombination aktiviert unser Belohnungssystem besonders stark. Das Gehirn sagt dann: „Mehr davon." Deshalb essen viele Menschen Chips nicht, bis sie satt sind, sondern bis die Packung leer ist. Barbara Müller: Sarah fragt: Fructoseintoleranz. Kannst du das mir noch mal erklären? Was ist das überhaupt?

Barbara Müller Barbara, Obst ist doch gesund. Warum bekomme ich davon Bauchschmerzen? Und genau da sprechen wir über: Fructoseintoleranz. Fructose ist einfach Fruchtzucker. Normalerweise wird er im Dünndarm aufgenommen. Doch bei einer Fructoseintoleranz funktioniert das nur sehr eingeschränkt. Dann gelangt die Fructose weiter in den Dickdarm und dort freuen sich die Darmbakterien sehr. Barbara Müller: Die machen eine Party, denn sie vergären den Zucker und dabei entsteht Gas, Blähungen, Bauchschmerzen. Manche Menschen reagieren schon auf ganz, ganz kleine Mengen. Besonders problematisch sind oft Softdrinks, Fertigprodukte mit Fructose-Sirup oder auch sehr stark gesüßte Lebensmittel in Kombination mit Frucht.

Barbara Müller Jetzt hat die arme Sarah auch noch eine: Laktoseintoleranz. Ich versuche es auch ganz einfach zu erklären. Irgendwann hat Sarah gemerkt, nach einem Latte Macchiato hat sie Bauchweh. Auch nach Frischkäse. Sie bekommt Blähungen und nach Milchkaffee manchmal entsteht ein kleines Darmgewitter.

Barbara Müller Sarah schaut mich an und fragt „Barbara, was genau passiert da eigentlich in meinem Bauch? Ja, Sarah, die Milch enthält Laktose, also Milchzucker. Damit unser Körper Laktose verdauen kann, braucht er ein Enzym. Das ist die Lactase. Dieses Enzym wird im Dünndarm gebildet. Fehlt Lactase oder es ist zu wenig vorhanden,: wandelt die Laktose weiter in den Dickdarm und dort freuen sich die Darmbakterien riesig. Barbara Müller: Sie machen wieder eine Party, denn sie vergären den Milchzucker. Dabei entstehen Gase, Blähungen, Bauchkrämpfe und manchmal auch Durchfall. Und plötzlich klingt der Bauch wie ein alter Heizkörper im Winter. Wichtig zu wissen: Laktoseintoleranz und Fruktoseintoleranz sind keine Allergie. Es handelt sich um eine Verdauungsstörung. Barbara Müller: Viele Menschen vertragen kleine Mengen trotzdem ganz gut. Zum Beispiel ein wenig Joghurt, Hartkäse, fermentierte Produkte, denn dort ist oft weniger Laktose enthalten.

Barbara Müller Der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz. Ganz wichtig Eine: Fruktose oder eine Laktoseintoleranz ist keine Allergie. Eine Allergie bedeutet, das Immunsystem reagiert. Zum Beispiel eine Allergie auf Nüsse, auf Milchprodukte, auf Fischeiweiß und so weiter. Und das kann gefährlich werden. Barbara Müller: Eine Intoleranz dagegen ist meistens ein Verdauungsproblem. Ja, und jetzt geht es noch um Mikroplastik und um Plastikverpackungen. Sarah hat einen Artikel über Mikroplastik gelesen und ist völlig erschüttert. Mikroplastik im Fisch und fragt mich: „Sag mal, Barbara, essen wir eigentlich noch Lebensmittel oder schon Industrieprodukte?"

Barbara Müller Ja, und jetzt wird's wirklich spannend, denn die ehrliche Antwort lautet Ein kleines bisschen Plastik nehmen wir tatsächlich auf. Was ist denn überhaupt Mikroplastik? Mikroplastik: sind winzige kleine Kunststoffteilchen, manche sogar so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge gar nicht sehen kann. Sie entstehen durch Plastikverpackungen, Flaschen, Kleidung aus Kunstfasern, Kosmetikprodukte, durch Reifenabrieb und so weiter. Barbara Müller: Und wo landen sie? Im Meer, in Fischen, im Trinkwasser, in Verpackungen, in Lebensmitteln.

Barbara Müller Mikroplastik im Fisch. Besonders Meerestiere nehmen Mikroplastik auf, zum Beispiel in Muscheln, in Garnelen, in Thunfisch, in Lachs und so weiter. Die Tiere halten die Plastikpartikel teilweise für Nahrung und so gelangen diese Teilchen in unsere Nahrungskette. Ja, und was passiert jetzt im Körper? Die Forschung läuft noch intensiv, aber inzwischen wurde schon Mikroplastik gefunden im Darm: von Menschen, im Blut, in der Lunge, in der Plazenta und auch in den Blutgefäßen. Barbara Müller: Wissenschaftler untersuchen mögliche Zusammenhänge mit Entzündungen im Körper, oxidativen Stress, hormonellen Veränderungen und auch Veränderungen der Darmflora, des Mikrobioms. Einfach erklärt Mikroplastik könnte hormonelle Prozesse im Körper stark beeinflussen. Barbara Müller: Jetzt kommen wir zu den Lebensmitteln in Plastikverpackungen.

Barbara Müller Jetzt wird's ganz alltäglich. Viele Lebensmittel liegen tagelang in Plastik, sind besonders lang haltbar. Besonders problematisch kann es werden bei großer Hitze, bei Sonneneinstrahlung oder in der Mikrowelle. Denn Wärme kann dazu führen, dass Stoffe leichter aus Verpackungen ins Essen übergehen. Zum Beispiel heißen Kaffee in Plastikbecher,: Fertiggerichte in Plastikschalen, Wasserflaschen, die im heißen Auto liegen, Essen aus der Mikrowelle in Plastikbehältern Barbara Müller: Jetzt ein Barbara-Moment. Sarah schaut irgendwann ihren Fertigsalat an und sagt ganz trocken: „Barbara, stell dir vor, der Salat ist in mehr Plastik eingepackt als mein alter Fernseher." Und irgendwie musste ich jetzt doch lachen, weil es leider stimmt. Was kann man praktisch tun? Ganz einfach: Öfter frisch kochen, Glas statt Plastik nutzen, Essen nicht heiß machen in Plastikverpackungen, weniger Fertigprodukte, Trinkflaschen aus Glas oder Edelstahl, bewusster einkaufen, Getränke nur in Glasflaschen kaufen.

Barbara Müller Nicht perfekt, aber bewusster. Und das macht: oft schon einen ganz großen Unterschied. Und jetzt kommt etwas wirklich Faszinierendes. Der Darm produziert ganz, ganz viele Botenstoffe, unter anderem das Serotonin. Das Serotonin, das beeinflusst die Stimmung, den Schlaf und auch unser Wohlbefinden. Darum nennt man den Darm auch das zweite Gehirn. Barbara Müller: Jetzt wird's spannend. Vielleicht habt ihr schon einmal von der Barbara Müller: Darm-Hirn-Achse gehört. Jetzt will Sarah das noch mal genau wissen. Was ist denn die Darm-Hirn-Achse? Die Darm-Hirn-Achse heißt Bauch und Gehirn, die reden miteinander, die kommunizieren. Unser Darm ist nicht nur zum Verdauen da. Er kommuniziert täglich, ständig mit dem Gehirn.

Barbara Müller Über die Nerven, über Hormone, über Botenstoffe und auch über Darmbakterien. Und das nennt man: Darm-Hirn-Achse. Damit werde ich mich noch mehr beschäftigen. Wenn die Darmflora, das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät, dann kann das beeinflussen Hunger, Stimmung, Stress, Heißhungerattacken, aber auch Entzündungen im Körper und vieles mehr. Barbara Müller: Deshalb sagen manche Wissenschaftler heute sogar: „Ja, der Darm, der denkt mit." Darauf meint Sarah: „Ja, super. Jetzt hab ich also noch einen Bauch und ein Gehirn, das seine eigene Meinung hat." Ja, und genau deshalb kann Ernährung auch vieles beeinflussen. Die Stimmung, die Konzentration, unsere Energie.

Barbara Müller Jetzt kommt der Wendepunkt bei Sarah. Sarah beginnt irgendwann, frischer zu kochen. Nicht perfekt, aber einfacher. Sie isst mehr Gemüse, mehr Reis, mehr Fisch, mehr Joghurt, Nüsse. Und plötzlich: merkt sie, sie ist weniger müde, sie hat weniger Bauchweh, sie kann sich besser konzentrieren. Und irgendwann sagt sie ganz leise: "Barbara, ich dachte immer, ich bin einfach erschöpft vom Leben. Barbara Müller: Vielleicht war ich einfach erschöpft vom Fertigessen." Wissenschaftlich wichtig: Studien zeigen, eine Ernährung mit vielen hochverarbeiteten Lebensmitteln wird häufiger verbunden mit vielen Erkrankungen. Übergewicht, Diabetes mellitus Typ zwei, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, viele chronische Entzündungen im Körper und so weiter. Barbara Müller: Frische Lebensmittel liefern dagegen oft Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe und sie geben uns natürliche Energie.

Barbara Müller Zum Abschluss Vielleicht hört gerade jemand zu, der: ständig müde ist oder Bauchprobleme hat oder sich fragt: „Warum fühle ich mich trotz Essen nicht richtig gut?" Dann lohnt es sich manchmal, nicht sofort sich selbst die Schuld zu geben, sondern einmal auf den Teller zu schauen, denn unser Körper merkt sich, was wir ihm täglich geben. Barbara Müller: Ich bin eure Barbara Müller und ich sage heute: „Der Darm spricht jeden Tag mit uns. Die Frage ist nur: Hören wir ihm zu?" Alles Liebe, eure Barbara. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet bitte den Podcast und empfehlt ihn weiter. Alles Liebe, Barbara.

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