Herkules im Rettungshubschrauber

Shownotes

Barbara nimmt uns mit in Kilians Beratung und erklärt anschaulich, warum Männer ab fünfzig oft zunehmen, warum Diäten meistens scheitern und warum ausgerechnet viele übergewichtige Menschen unter einem Nährstoffmangel leiden. Im Mittelpunkt steht dabei das Thema Eiweiß: warum es beim Abnehmen hilft, länger satt macht und dem Körper das gibt, was er wirklich braucht. Mit viel Humor, bayerischem Charme und echten Stammtischgeschichten zeigt diese Folge, dass es nicht um Perfektion geht, sondern darum, dem eigenen Körper wieder zu helfen statt gegen ihn zu arbeiten.

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Barbara Müller: Du musst nicht alles perfekt umsetzen. Du musst nur aufhören, gegen deinen Körper zu kämpfen. Hallo und servus, hier ist wieder eure Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG. Ich freue mich, dass so viele zuhören und ich wünsche euch ganz viel Spaß mit der neuen Folge. Es geht um Herkules. Heute wird's bayerisch, heute wird's menschlich und es wird ein bisschen eng im Hubschrauber.

Barbara Müller Denn heute geht es um Kilian. Der Kilian arbeitet seit über dreißig Jahren bei der Bergwacht. Zwei Meter vier groß, einhundertachtundvierzig Kilo schwer. Er hat ein Kreuz wie ein Schrank. Früher hat man gesagt "Wenn der Kilian kommt, braucht man keinen: zweiten Mann mehr." Und deshalb bekam er seinen Spitznamen: Herkules. Barbara Müller: Nur, der echte Herkules hatte vermutlich weniger Bauch als unser Kilian.

Barbara Müller Der Moment im Hubschraube. Vor ein paar Wochen sitzt Kilian im Rettungshelikopter und eigentlich versucht er zu sitzen. Der Pilot schaut ihn an, der Sanitäter schaut ihn an und der Gurt schaut ihn an. Er bekommt ihn kaum mehr zu. Und irgendwann sagt der Pilot ganz trocken "Kilian, wenn du noch breiter wirst und dein Bauch noch dicker,: müssen wir dich außen anbinden." Barbara Müller: Stille. Dann lachen alle. Kilian lacht auch, aber innerlich, das hat gesessen. Denn Humor trifft oft genau dort, wo die Wahrheit wehtut Barbara Müller: Kilian früher. Früher war Kilian viel unterwegs. In den Bergen, im Wald, bei Lawineneinsätzen, Rettungen nachts um drei, stundenlanges Wandern durch die Berge. Er konnte essen wie ein Mähdrescher. Schweinsbraten, kein Problem. Vier Bier, locker. Leberkässemmeln nachts um elf. Warum denn nicht? Der Körper hat alles verbrannt.

Barbara Müller Und dann? Dann kam der Schreibtisch. Der gefährlichste Ort,: das Büro. Heute ist Kilian Amtsleiter. Das klingt wichtig. Ist es auch. Kilian hat Karriere gemacht. Aber plötzlich besteht der Alltag von Kilian aus Sitzungen, vielen Telefonaten, Excel-Listen, über die er sich ärgert. Er beantragt Genehmigungen, Kaffee trinken, noch mehr sitzen. Barbara Müller: Ja, und genau das passiert vielen Männern ab fünfzig. Sie essen noch wie Holzfäller, bewegen sich aber wie Zimmerpflanzen. Der Körper denkt sich irgendwann: Super. Energieüberschuss lagern wir ein. Und zwar direkt am Bauch. Der Rettungsring wächst.

Barbara Müller Das Stammtischleben. Jetzt wird's aber richtig schwierig,: denn Kilian hat seinen Stammtisch. Dort sitzen Hubert, der Bauer, Rainer, der Metzger vor Ort, Markus, der Jäger und jetzt kommt der Knaller, Heiko, der Ökotrophologe. Fachchinesisch heißt einfach, der hat Ernährungswissenschaft studiert. Und das ist praktisch schon eine Netflix-Serie. Barbara Müller: Ich erzähl euch von Hubert, dem Bauer. Hubert ist dünn wie ein Rechen. Der Mann frühstückt Speck, Brot, drei Eier, Kuchen, trinkt literweise Milch. Er nimmt kein Gramm zu. Und warum? Weil Hubert täglich über achtzehntausend Schritte macht, er schleppt Holz, er versorgt die Tiere und er verbrennt mehr Kalorien als ein kleiner Industriebetrieb.

Barbara Müller Solche Menschen gibt's.: Die sind genetisch gesegnet. Aber leider sitzen die immer neben den Dicken. Und heute neben Kilian. Jetzt kommen wir zu unserem Metzger, dem Rainer. Der hat einen Bauch, der schon fünf Sekunden früher um die Ecke kommt als er selbst. Rainer lebt praktisch nur von seinem Leberkäs. Der sagt Dinge wie: "A Semmel ohne Fleisch ist ka Brotzeit."

Barbara Müller Gesundheitlich schwierig, rede ich nicht drüber, aber immerhin ist er ganz ehrlich. Jetzt kommt der Markus, Markus der Jäger. Markus dagegen lebt ganz gesund Der ist im Wald unterwegs, er trinkt Wasser, er mag kein fettes Fleisch, er liebt sein Müsli mit Nüssen: und der bestellt tatsächlich im Wirtshaus gegrilltes Gemüse mit Forelle. Barbara Müller: Worauf der ganze Stammtisch schweigt, als hätte jemand die Nationalhymne beleidigt. Und jetzt kommt Heiko. Heiko, der Ökotrophologe. Der Heiko sitzt am Stammtisch. Er arbeitet bei einem riesigen Lebensmittelkonzern, beschäftigt sich beruflich den ganzen Tag mit Ernährung, mit Inhaltsstoffen und mit Lebensmittelentwicklung.

Barbara Müller Heiko kann dir exakt erklären, warum ein Erdbeerjoghurt eigentlich gar keine Erdbeeren gesehen hat. Aber abends bestellt er trotzdem Currywurst mit Pommes und sagt „Rein wissenschaftlich interessiert mich einfach, wie viel Mayo drauf passt." Oder Heiko sagt immer „Ich arbeite: in der Lebensmittelindustrie." Barbara Müller: Worauf Kilian meint: „Ja, das sieht man." Er sagt Sätze wie: „Ultra verarbeitete Lebensmittel fördern entzündliche Prozesse." Worauf der Kilian antwortet: „Heiko, I wollt bloß wisse, ob der Oberst denn noch Gott ist." Barbara Müller: Viele Menschen glauben, der Kilian hat halt keine Disziplin. Aber so einfach ist das nicht. Denn unser Gehirn, das liebt Belohnung. Bier, salzige Brotzeit, fettiges Essen. Das aktiviert echte Glücksmechanismen. Und je mehr Stress jemand hat, desto stärker sucht das Gehirn genau diese schnellen Belohnungen.

Barbara Müller Das nennt man nicht: Schwäche, das nennt man Biologie. Barbara Müller: Existiert denn Trostessen überhaupt? Wenn Kilian nach der schweren Arbeit nach Hause kommt. Er ist total gestresst, weil nichts funktioniert hat. Dann will sein Körper nicht Brokkoli. Er will Ruhe, er will Entspannung. Ja, er will eine Belohnung. Und Bier am Stammtisch ist Belohnung. Dort ist soziale Nähe. Da wird gelacht, da sind seine Freunde.

Barbara Müller Das Problem ist nicht der Stammtisch. Das Problem ist, der Körper ist heute viel weniger aktiv als früher. Warum nehmen denn Männer ab fünfzig zu? Ab: etwa fünfzig verändert sich vieles. Weniger Muskelmasse, der Stoffwechsel wird langsamer, mehr Stresshormone, das Hormon Testosteron fällt ab. Die Männer schlafen auch schlechter. Barbara Müller: Viele haben weniger Bewegung und dann reicht oft schon täglich zwei Bier, etwas mehr Brot, weniger Bewegung. Und plötzlich kommt jedes Jahr zwei Kilo dazu. Langsam, ganz still und leise, fast unbemerkt, bis der Helikoptergurt beleidigt schaut und nicht mehr passt. Ich frage Kilian, der sitzt bei mir in der Beratung.

Barbara Müller Ich schaue ihn freundlich an und sage "Kilian, du musst nicht alles perfekt umsetzen. Du musst nur aufhören, gegen deinen Körper zu arbeiten. Du, du musst ihm: helfen. Du musst ihn unterstützen." Und dann sagt Kilian zu mir: "Barbara, muss ich jetzt Sellerie essen?" "Nein, Kilian." Der Kilian meint: "Gott sei Dank." Barbara Müller: Die Wahrheit übers Abnehmen. Die meisten scheitern, weil sie gleichzeitig alles ändern wollen. Nie wieder Bier, nur noch Salat und jeden Tag joggen. Das hält kein normaler Mensch durch. Ich erkläre es Kilian und auch euch. Weniger Bier unter der Woche, mehr Eiweiß, mehr Bewegung im Alltag, kleine Veränderungen und langsam abnehmen.

Barbara Müller Nicht zehn Kilo in zwei Wochen, sondern ein Leben, das wieder passt, auch in den Hubschrauber. Und jetzt eine Überraschung Viele dicke Menschen, adipöse Menschen, sind mangelernährt. Das klingt ja erst mal völlig verrückt.: Viele Menschen denken, wer Übergewicht hat, hat doch offensichtlich genug gegessen. Barbara Müller: Aber genau das ist der Denkfehler. Denn viele Menschen mit Adipositas haben gleichzeitig einen Eiweißmangel, oft einen Vitaminmangel und einen Mineralstoffmangel. Der Körper bekommt zwar jede Menge Kalorien, aber oft kaum das, was er wirklich braucht. Und das passiert heute unglaublich häufig. Warum ist das so?

Barbara Müller Weil viele moderne Lebensmittel zwar satt machen, total gut schmecken, schnell verfügbar sind, aber kaum echte Nährstoffe enthalten. Der Körper wird voll, aber der Körper wird nicht versorgt. Das ist ungefähr so, als würde man versuchen, ein Feuer mit Papier anstatt mit Holz zu machen. Es: brennt kurz, aber die Energie, die hält nicht lange an. Barbara Müller: Warum ist denn Eiweiß so wichtig? Ich erkläre es Kilian. Kilian, dein Körper braucht Eiweiß. Nicht nur Bodybuilder brauchen das. Denn Eiweiß ist für den Körper wie Baumaterial. Es baut Muskeln, Organe. Es arbeitet im Immunsystem mit. Wir brauchen es, um Hormone zu bilden. Alles braucht Eiweiß. Und gerade Männer ab fünfzig verlieren jedes Jahr Muskelmasse.

Barbara Müller Das Problem Je weniger Muskeln man hat, desto langsamer arbeitet der Stoffwechsel. Das heißt also, der Körper verbrennt wenige Energie, selbst im Sitzen. Und genau deshalb nehmen viele Menschen im Alter leichter zu. Wenn dann noch zu wenig Eiweiß gegessen wird, passiert etwas: ganz Gemeines: Der Körper baut Muskeln ab Aber er lagert Fett ein. Barbara Müller: Man wird also gleichzeitig schwächer, müde und vor allen Dingen schwerer. Und viele merken das gar nicht. Barbara Müller: Warum Eiweiß auch beim Abnehmen hilft. Eiweiß macht außerdem länger satt. Viel länger als Weißbrot, als Süßigkeiten, als Chips oder schnelle Kohlenhydrate. Wenn Kilian früher nach der Arbeit zwei Leberkässemmeln gegessen hat, war er vielleicht kurz satt, aber zwei Stunden später kam schon wieder der Hunger.

Barbara Müller Nicht, weil der Kilian undiszipliniert ist. Nein, sondern weil der Körper schnell wieder Energie verlangt. Das Eiweiß hilft, dass der Blutzucker ruhiger bleibt und weniger Heißhunger entsteht. Deshalb sage ich „Du: darfst nichts mehr essen", sondern „Kilian, du musst clever essen. Zum Beispiel Quark, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte, Joghurt, Käse, gutes Fleisch in vernünftigen Mengen. Barbara Müller: Nicht perfekt, aber einfach besser, dass du auch besser versorgt wirst." Vitamine und Mineralstoffe, das sind die stillen Helfer. Und dann gibt es noch die kleinen Dinge, die riesige Auswirkung haben: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente. Viele Menschen mit Übergewicht haben zum Beispiel einen Vitamin-D-Mangel, einen Magnesiummangel, einen Eisenmangel, einen Zinkmangel und so weiter.

Barbara Müller Man sollte es einfach beim Arzt überprüfen lassen. Und das kann Folgen haben Müdigkeit, 'ne schlechte Stimmung, Muskelprobleme, man schläft schlecht, man hat Heißhunger. Vor allen Dingen, man hat weniger Energie und man fühlt sich einfach schlecht. Der: Körper funktioniert dann einfach nicht mehr so richtig. Barbara Müller: Ich erkläre es Kilian: „Kilian, du kannst nicht erwarten, dass dein Körper gut arbeitet, wenn du ihm ständig die Baustoffe wegnimmst." Und genau das passiert bei vielen Fertigprodukten. Viel Zucker, viel Fett, viel Geschmack, aber kaum Ballaststoffe, wenig Vitamine, kaum Mineralstoffe und vor allen Dingen auch keine hochwertigen Proteine, also keine hochwertigen Eiweiße.

Barbara Müller Der Körper schreit innerlich weiter nach Nahrung, obwohl man eigentlich schon zu viel gegessen hat. Und deshalb essen viele Menschen immer weiter, obwohl sie längst genug Kalorien hatten. Weil der Körper nicht Kalorien sucht, sondern der Körper sucht Versorgung. Essen ist heute: oft keine Ernährung mehr. Barbara Müller: Früher war Essen oft einfach, man hat langsam gegessen, man hat sehr viele natürliche Sachen gegessen. Heute essen viele im Auto, mit dem Handy am Ohr, vor dem Fernseher, unter Stress, einfach so nebenbei. Und die Lebensmittelindustrie baut Produkte, die unser Gehirn regelrecht überlisten. Viel Salz, viel Fett, viel Zucker und die Lebensmittelindustrie macht auch perfekte Kombinationen. Barbara Müller: Das Belohnungssystem wird angefeuert. Das hat nichts mit Schwachsein zu tun. Das ist wieder die Biologie. Und genau deshalb brauchen Menschen keine Schuldgefühle, sondern Verständnis, viel, viel Wissen und kleine Schritte.

Barbara Müller Essen wir uns denn: heute krank? Früher gab es feste Mahlzeiten. Man hat sich viel bewegt, wenige Industrieessen. Heute Dauersnacking den ganzen Tag, Süßgetränke, Fertigprodukte, Essen nebenbei, auch oft Stressessen. Unser Gehirn ist dafür eigentlich nicht gebaut. Und ganz wichtig, Kilian, der Stammtisch bleibt.

Barbara Müller Nicht, dass ich sage, du darfst nie wieder zum Stammtisch. Denn Kilian, soziale Kontakte sind ganz wichtig. Aber vielleicht Kilian, statt vier Bier nur zwei. Dazu Wasser trinken, langsam essen und Kilian, versuch dich einfach öfter zu bewegen. Und vielleicht muss man auch nicht jeden Abend verdienen, dass man isst.: Barbara Müller: Die schönste Szene dieser Geschichte. Ein paar Monate später. Kilian steigt wieder in den Hubschrauber. Der Pilot schaut ihn schon skeptisch an und dann sagt er: „Ja, schau her, wir brauchen keinen verlängerten Sicherheitsgurt mehr für den Kilian." Der Kilian grinst. Nicht, weil er plötzlich Modellmaße hat.

Barbara Müller Nein, sondern weil er wieder merkt, er hat Kontrolle zurückgewonnen. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft. Es geht nicht darum, wie ich immer sage, sofort perfekt auszusehen. Es geht darum, gesund alt zu werden. Für die Familie, für die Kinder, auch für seine Magda. Und vielleicht auch, damit der Hubschrauber: wieder entspannter startet. Barbara Müller: Ich danke euch für das Zuhören. Bis zum nächsten Barbara Podcast. Alles Liebe, Barbara. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet bitte den Podcast und empfehlt ihn weiter. Und heute nicht tschüss, sondern servus.

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