Rheuma, Cortison und Gewicht
Shownotes
Kennst du das Gefühl, weniger zu essen als früher und trotzdem zuzunehmen? Genau das erlebt Steffi, 66 Jahre alt, ehemalige Bademeisterin – und seit einem Jahr mit Rheuma diagnostiziert.
In dieser Folge begleitet euch Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG, durch Steffis Geschichte. Gemeinsam schauen sie genau hin: Warum nehmen Menschen mit rheumatoider Arthritis an Gewicht zu? Was hat Cortison damit zu tun? Und was kann man selbst tun? Barbara erklärt verständlich, wie Cortison als lebensrettender „Feuerwehrmann" wirkt – und warum es manchmal „Wasserschäden" hinterlässt. Ihr erfahrt, wie Wassereinlagerungen, Mondgesicht und Gewichtszunahme mit der Medikamenteneinnahme zusammenhängen – und dass das nichts mit Schwäche oder fehlendem Willen zu tun hat.
Außerdem gibt es konkrete Tipps: Welche Lebensmittel Entzündungen befeuern, welche sie beruhigen, warum Salz eine besondere Rolle spielt und wie sanfte Bewegung die Gelenke unterstützt – auch und gerade mit Rheuma.
Die wichtigste Botschaft der Folge? Medikamente helfen. Wissen macht euch stark! Hat dir die Folge gefallen? Dann bewerte den Podcast und teile ihn mit Freunden und Familie. Für mehr Informationen folge mir auf Instagram oder besuche meine Website.
Transkript anzeigen
00:00:00: Barbara Müller: Nicht jede Gewichtszunahme ist selbst gemacht. Manchmal ist sie medizinisch. Hallo ihr Lieben, hier ist wieder eure Barbara Müller, Diabetesberaterin DDG, mit viel Herz, Humor und der Leidenschaft, auch schwierige medizinische Themen ganz einfach zu erklären. Und heute erzähle ich euch die Geschichte von Stefania, genannt Steffi.
Barbara Müller Sie ist 66 Jahre alt. Sie war ihr Leben lang Bademeisterin in unserem hiesigen Freibad. Oft auch draußen bei schlechtem Wetter. Seit einem Jahr wurde Rheuma diagnostiziert. Ihr geht es schlecht. Sie kann kaum laufen, ihre Gelenke tun ihr weh. Sie nimmt an Gewicht zu. Tagtäglich: kommt sie sich einfach dicker vor. Barbara Müller: Sie ist davon überzeugt, dass ihr Körper sich wie in einen Schwamm verwandelt, der alles aufsaugt. Sie wurde von ihrem Rheumatologen zu mir geschickt zur Ernährungsberatung. Steffi sitzt mir gegenüber, schaut auf ihren Bauch und auf ihre Hände und sagt: "Barbara, ich esse weniger, aber ich habe ständig Schmerzen.
Barbara Müller Ich nehme Medikamente und ich nehme trotzdem immer weiter zu. Ich komme mir vor wie ein Wasserbett mit Gelenken. Barbara, schau doch mal mein Gesicht an. Ich habe hier ein richtiges Mondgesicht. Barbara, so kann es nicht weitergehen." Ich nicke und sage "Steffi, willkommen im Alltag: mit Cortison- Barbara Müller: Steffi hat eine rheumatoide Arthritis. Ihre Großmutter, die Gertrude, die hatte das auch. Was bedeutet das? Das bedeutet, ihr Immunsystem ist ein bisschen zu motiviert. Statt nur Viren zu bekämpfen, greift es auch ihre eigenen Gelenke an. Das führt zu Entzündungen, zu Schmerzen, zu Schwellungen, zu einer Morgensteifigkeit und dieser bleiernden Müdigkeit, bei der man sich fühlt, als hätte jemand die Batterien halb rausgezogen.
Barbara Müller Man hat einfach keine Kraft, keine Energie. Es geht Steffi einfach schlecht. Steffi erzählt mir, dass sie morgens länger braucht, um aus dem Bett zu kommen, als ihre Kaffeemaschine: braucht, um durchzulaufen. Und das will schon was heißen. Barbara Müller: Die Barbara Müller: Schmerzen wurden irgendwann so stark, dass ihr Rheumatologe gesagt hat: "Steffi, wir brauchen Cortison." Und Cortison ist erst mal wie ein Superheld. Plötzlich werden die Entzündungen ruhiger, die Schmerzen lassen nach, die Beweglichkeit kommt zurück. Steffi konnte auf einmal wieder Treppen steigen, ohne dabei innerlich alle Schimpfwörter der deutschen Sprache durchzugehen.
Barbara Müller Aber dann kam die andere Seite. Nach ein paar Wochen schaut Steffi morgens in den Spiegel und denkt "Wer ist diese Frau mit diesem Vollmondgesicht?" Die Ringe passen nicht mehr, die Hose kneift, die Knöchel sehen aus, als hätten sie: Urlaub im Wasserpark gemacht. Barbara Müller: Steffi sagt zu mir: „Barbara, ich esse weniger als früher und trotzdem werde ich immer breiter. Das ist doch unfair." Ich erkläre ihr, dass Cortison im Körper wie ein Notfallhormon wirkt
Barbara Müller Es sagt dem Körper „Achtung, Achtung, Stress. Wir brauchen Reserven." Also speichert der Körper mehr Energie. Der Blutzucker steigt leichter, Fett wird lieber eingelagert, vor allen Dingen am Bauch. Und zusätzlich hält Cortison Salz im Körper zurück. Und wo Salz ist, Steffi, da kommt Wasser hinterher. Also es wird Wasser: eingelagert. Barbara Müller: „Ja, Barbara, schau doch mal hin. Ich hab dicke Füße, dicke Knöchel. Meine Schuhe passen nicht mehr." „Ja, Steffi, dein Körper bunkert gerade wie vor dem Winter." Steffi nickt. „Also Barbara, bin ich kein Vielfraß. Mein Körper ist einfach im Sparmodus." „Genau, Steffi. Dazu kommt dieser Schwammeffekt. Durch Cortison bleibt mehr Wasser im Gewebe.
Barbara Müller Die Hände werden dicker, die Füße schwellen an, das Gesicht wirkt rund. Und das fühlt sich nicht nur schwer an, das sieht man auch." Steffi atmet auf und sagt „Dann ist also nicht alles fett, was an meinem Körper hängt." „Nein, Steffi. Ein Teil davon ist schlichtweg Wasser mit Platzbedarf." Jetzt sage ich aber auch etwas: ganz Wichtiges zu Steffi und auch zu euch. Barbara Müller: Cortison ist kein Feind. Cortison ist ein Feuerwehrmann. Es löscht Entzündungen, aber manchmal hinterlässt es Wasserschäden. Deshalb ist ganz wichtig: Nicht einfach absetzen, nicht selbst herumexperimentieren, sondern mit dem Arzt die niedrigste wirksame Dosis finden und regelmäßig kontrollieren. Steffi nickt und sagt: „Also Barbara, Feuerwehr ja, Dauerflut nein."
Barbara Müller Dann fragt sie mich „Barbara, kann ich denn selber irgendetwas tun oder muss ich das Ganze einfach ertragen?" Ich lächle. Ich erkläre ihr, dass Ernährung bei Rheuma und Cortison eine ganz wichtige Rolle spielt.: Barbara Müller: Entzündung im Körper liebt Zucker, Weißmehl, Fertigprodukte, Wurst mit viel Salz und viel rotes Fleisch. Das sind wie Brandbeschleuniger für das Feuer in deinem Körper. Aber was total gut ist gegen Entzündung? Entzündung mag keinen Omega-3-reichen Fisch, kein Olivenöl, keine Beeren, kein Gemüse, keine Vollkornprodukte, aber auch keinen Ingwer und auch kein Kurkuma.
Barbara Müller Ich weiß es. Wichtig, Steffi, wäre vielleicht auch eine Nahrungsergänzung. Das besprichst du am besten mit deinem Rheumatologen. Ich sage zu Steffi „Steffi, du kannst deinen Rheuma füttern, aber auch mit ungünstigen Lebensmitteln auf Diät setzen." Jetzt lacht Steffi. „Dann bekommt mein Rheuma: jetzt weniger Aufmerksamkeit." Barbara Müller: Ich Barbara Müller: erkläre Steffi, dass Salz jetzt besonders heikel ist. Weil Kortison Wasser bindet, verstärkt viel Salz die Einlagerung noch mehr. Also weniger Fertigprodukte, mehr frisch kochen und Kräuter statt Salz. Steffi sagt: „Ich würze jetzt mediterran und nicht mehr industriell." Steffi, eine super Entscheidung.
Barbara Müller Dann sprechen wir noch über Eiweiß, denn unter Kortison baut der Körper leichter Muskeln ab. Und Muskeln sind wichtig, weil sie den Stoffwechsel aktiv halten. Also braucht Steffi ausreichend Eiweiß, aber genauso Bewegung und leichte Kraftübungen. Jetzt schaut Steffi mich an. „Barbara, Sport und Rheuma?" Ja, Steffi,: nicht Leistung, Bewegung. Barbara Müller: Spazierengehen, Wassergymnastik, das ist doch dein Element. Aber wichtig warmes Wasser. Das macht dir doch Spaß. Oder Radfahren, dehnen. Einfach regelmäßig in Bewegung bleiben. Steffi, denk dran, Bewegung schmiert die Gelenke. Barbara Müller: Ein paar Wochen später ruft Steffi mich an. Ihre Stimme klingt anders. Leichter. „Barbara, ich bin ja nicht mehr so aufgequollen. Ich fühl mich ja viel stabiler. Der Rheumatologe hat mich so gut eingestellt und die Schmerzen sind jetzt besser auszuhalten." „Siehst du? Du hast deinen Körper nicht bekämpft. Du hast ihn unterstützt."
Barbara Müller Und dann: sagt Steffi etwas, das bei mir hängen bleibt. „Barbara, ich dachte, ich werde dicker, weil ich schwach bin. Jetzt weiß ich, mein Körper reagiert auf Medikamente und ich kann gegensteuern." Und genau das, ihr Lieben, ist die wichtigste Botschaft. Medikamente helfen, aber Wissen macht euch stark. Und Steffi? Barbara Müller: Die ist heute kein Schwamm mehr, sondern eine Frau, die verstanden hat, was in ihrem Körper passiert und die wieder ein bisschen mehr Leichtigkeit spürt. Für heute mache ich Schluss. Alles Liebe, Barbara Müller. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet bitte den Podcast und empfehlt ihn weiter. Alles Liebe, Barbara.
Neuer Kommentar