Fett ist nicht dein Feind – Die Geschichte von Sabine
Shownotes
In dieser Folge spricht Diabetesberaterin Barbara Müller über ein Thema, das viele betrifft, aber kaum jemand wirklich versteht: Körperfett. Anhand der Geschichte von Sabine, einer 37-jährigen Frau mit 102 Kilogramm Körpergewicht, erklärt Barbara, warum nicht jedes Fett gleich ist und wie Fettzellen aktiv in den Stoffwechsel eingreifen.
Zentrale Themen:
- Verschiedene Fettarten im Körper: Bauchfett (viszerales Fett) ist stoffwechselaktiv und fördert Entzündungen, während Fett an Hüften und Oberschenkeln oft weniger problematisch ist. Zwischenraumfett in Organen stört den Zuckerstoffwechsel erheblich.
- Fettzellen als Hormonfabriken: Fettgewebe produziert Botenstoffe wie Zytokine, Leptin, Adiponektin und Resistin, die Entzündungen fördern, Insulinresistenz verursachen und das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs erhöhen.
- Adipositas als chronische Erkrankung: Übergewicht ist keine Frage von Disziplin oder Faulheit, sondern eine komplexe, oft genetisch bedingte Erkrankung. Sabines Familiengeschichte und ihre Veranlagung seit der Geburt zeigen, wie früh die Weichen gestellt werden.
- Gesellschaftliche Stigmatisierung: Sabine erlebt Vorurteile und Scham in ihrem Arbeitsumfeld. Barbara betont: Scham macht nicht gesund – Verständnis und Wissen sind der Schlüssel zur Veränderung.
- Ganzheitlicher Therapieansatz: Statt nur Gewicht zu bekämpfen, geht es darum, das System zu verändern: Bauchfett reduzieren, Entzündungen senken, Muskeln stärken, Stress abbauen, Schlaf verbessern und gegebenenfalls medikamentöse Unterstützung (Metformin, GLP-1-Therapie) in Betracht ziehen.
- Hoffnung durch kleine Schritte: Bereits 5 bis 10 Prozent Gewichtsreduktion können Entzündungswerte senken, die Insulinwirkung verbessern und das Gesundheitsrisiko deutlich reduzieren.
Wichtige Erkenntnisse:
- Fettgewebe ist kein totes Organ, sondern ein aktives Hormonsystem
- Gestationsdiabetes in der Schwangerschaft kann die Fettzellbildung des Kindes beeinflussen
- Körperideale sind kein Gesundheitskonzept
- Verstehen ist der erste Schritt zur Veränderung
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Barbara Müller: Dein körper trägt keine schuld er trägt geschichte hormone und überlebensprogramme hallo ihr lieben schön dass ihr wieder da seid hier ist eure barbara müller diabetesberaterin ddg mit viel herz für die menschen mit übergewicht heute reden wir über fett ja genau über das wort das keiner mag Aber jeder hat.
Und ich verspreche euch, nach dieser Folge werdet ihr Fettzellen mit anderen Augen sehen. Denn heute geht es um Sabine. Sabine ist 37 Jahre alt. Sie arbeitet an der Rezeption eines Wellnesshotels. Ironie des Lebens, oder? Während die Gäste im Bademantel vorbeischweben, Smoothies trinken und Detox-Wasser schlürfen, sitzt Sabine hinter dem Tresen Mit: 102 Kilo Sie ist schon immer mollig. Und in ihrer Familie sind alle rund. Und Sabine sagt zu mir, Barbara, ich habe überall Fett, am Bauch am Oberschenkel, am Po, am Hals, sogar an meinem Rücken, überall. Wie gefährlich ist denn das Fett an und in meinem Körper? Und warum werde ich gleich verurteilt, nur weil ich übergewichtig bin? Ja, und genau da steigen wir ein.
Nicht jede Fettzelle ist gleich. Und jetzt kommt die große Überraschung. Jetzt kommt die gute Nachricht. Fett ist nicht einfach Fett. Dein Fett hat verschiedene Fettwohngegenden Ich nenne sie gerne liebevoll. Die Bauchbewohner, die Bein und Pobewohner und die Zwischenraummieter. Bauchfett ist das: laute Fett Das Bauchfett medizinisch, das viszerale Fett, sitzt tief im Bauchraum, rund um die Organe. Das ist das Fett das sagt HALLO Ich mische mich ein, denn dieses Fett produziert Stoffe die im Körper Entzündungen fördern, die das Insulin schlechter wirken lassen. Also es entsteht eine Insulinresistenz Je dicker der Bauch wird, das Herz wird belastet Und das Krebsrisiko steigt. Ich sage zu Sabine, das Bauchfett ist wie ein Nachbar, der ständig laut Musik hört und alle nervt.
Oberschenkelfett und Popofett, das ist das Stillfett. Und jetzt wird es spannend. Das Fett an Hüften Po und Oberschenkel ist oft stoffwechselmäßig freundlicher. Es speichert Energie und Ständig Alarm zu machen. Manche Studien zeigen sogar, dieses: Fett kann schützend wirken. Ich sag zu Sabine, das ist eher der ruhige Mitbewohner, der pünktlich die Miete zahlt und auch keinen Ärger macht. Sabine muss mal lachen, also habe ich wenigstens ein paar nette Fettzellen. Ja Sabine, Die hast du. Jetzt kommen wir zum Zwischenraumfett, das sich zwischen die Organe und in die Leber in die Muskeln und in die Bauchspeicheldrüse eingenistet hat. Es sitzt überall dort, wo es Platz findet. Das ist besonders kritisch denn dort stört es den Zuckerstoffwechsel, die Hormonsteuerung, die Energieverwertung. Das sieht man nicht im Spiegel, aber man sieht es an den Blutfäden.
Fettzellen sind kleine Hormonfabriken. Jetzt wird's wissenschaftlich aber nur ganz kurz und: versprochen trotzdem verständlich. Die Fettzellen sind nicht faul Sie produzieren Hormone, Bodenstoffe Wichtige Hormone und Bodenstoffe kommen aus den Fettzellen. Hier ein paar von ihnen, einfach erklärt Entzündungsstoffe das sind die Zytokine, diese machen im ganzen Körper eine Dauerentzündung. Das ist zum Beispiel TNF-Alpha, Interleukin, MCP-1, das müsst ihr euch nicht merken, aber so heißt ein Teil davon. Was sie versuchen, sie machen chronische Entzündungen im Körper, Insulin wirkt schlechter, dadurch steigt das Diabetesrisiko, es fördert die Arterienverkalkung, erhöht den Herzinfarkt und das Schlaganfallrisiko und es kommt auch zu mehr Gelenk und Muskelschmerzen.
Adipositas wird deshalb heute: als chronisch entzündliche Erkrankung gesehen. Jetzt kommen wir zu Leptin, wenn wir zu viel davon haben. Leptin ist eigentlich ein Sättigungshormon etwas ganz Gutes. Bei Adipositas die Fettzellen produzieren aber extrem viel Leptin. Gehirn reagiert aber nicht mehr, es entsteht eine Leptinresistenz.
Man bleibt hungrig trotz genug Energie. Stoffwechsel wird gestört, Entzündungen steigen und der Blutdruck steigt. Dann kommen wir zu einem weiteren Hormon was abgesondert wird. Adiponektin ist eigentlich ein gutes Hormon das sinkt Durch Adipositas. Normalerweise schützt Adiponektin, verbessert Insulinwirkung, schützt die Gefäße, weckt: Entzündungshemmungen und hilft in der Fettverbrennung. Bei Adipositas stark vermindert. Die Folgen davon sind ein höheres Diabetesrisiko, mehr Fett in der Leber, mehr Arterienverkalkung und eine schlechte Fettverbrennung. Jetzt kommen wir zu dem Resistin. Der Name sagt schon, macht resistent gegen Insulin. Die Folgen davon sind Insulinresistenz, Typ 2 Diabetes entsteht es fördert Entzündung und erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko.
Jetzt kommen wir zu den Fettsäuren Freie Fettsäuren werden freigesetzt. Das sind große Fettzellen, die geben ständig Fettsäuren ins Blut ab. Es entsteht eine Fettleber, es kommt zur Insulinresistenz, die Bauchspeicheldrüse wird extrem überlastet und die Muskelzellen nehmen schlechter den Zucker auf.: Und wieder wird das Herz belastet. Die Gesamtwirkung im Körper. Fettgewebe bei Adipositas wirkt wie ein entzündetes Hormonorgan. Es führt zu chronischen stillen Entzündungen, der Diabetes entsteht, erst kommt es zur Insulinresistenz, der Blutdruck geht hoch, es entsteht eine Fettsäure Die Arteriosklerose schreitet voran Wir haben ein erhöhtes Krebsrisiko, zum Beispiel Darmkrebs Brustkrebs Es kommt zu hormonellen Störungen und so weiter.
Ihr merkt schon, Fettgewebe ist kein totes Organ. Es ist sehr lebendig und macht ganz viel im Körper. Aber was ganz wichtig ist zu wissen, schon 5 bis 10 Prozent Gewichtsreduktion kann Entzündungsstoffe senken die Insulinwirkung verbessern, das Leptin normalisieren, den Blutdruck: senken und vor allen Dingen auch das Risiko deutlich reduzieren. Der Körper reagiert erstaunlich schnell positiv auf eine Gewichtsabnahme. Das heißt, Fett redet mit deinem Körper und manchmal redet es zu laut. Sabine sagt zu mir, Barbara, die Gäste schauen mich manchmal mitleidig an. Mein Chef hat mich sogar auf mein Gewicht angesprochen, ob ich nicht mal abnehmen wollte.
Ich wäre hier schließlich in einem Wellnesshotel. Ich habe mich gefühlt wie ein Fremdkörper. Und da sage ich ganz klar, Körperideale sind kein Gesundheitskonzept. Scham macht niemand gesund, Druck macht krank Die Genetik Sabine hat sich das nicht ausgesucht.: Adipositas ist eine chronische Erkrankung und Sabine ist nicht zu bequem und sie ist auch nicht undiszipliniert. Ihre Familie ist seit Generationen übergewichtig. Sie wurde schon geboren mit 5200 Gramm hatte einen extrem dicken Bauch kaum Hals bei der Geburt. Heute vermutet man, dass ihre Mutter einen Gestationsdiabetes hatte. Einen Diabetes in der Schwangerschaft. Wurde früher nicht erkannt, aber die Fettzellen wurden schon erkannt Im Mutterleib angelegt.
Deshalb ist es heute so wichtig, dass man in der Schwangerschaft alle Kontrolluntersuchungen macht. Z.B. den Dextro-OGT, den Glucose-Belastungstest. Und dass die Gynäkologen immer nach dem Bauchumfang des Babys und dem Fruchtwasser schauen. Heute hat ihre Mutter, sie ist: stark übergewichtig, seit 4 Jahren Diabetes mellitus Typ 2. Das bedeutet, mehr Fettzellen von klein auf, eine andere Hormonantwort, ein schnelleres Speichern Einlagern in den Körper und ein ganz langsames Abgeben. Oder, wie ich es nenne, dein Körper, Sabine, ist ein guter Sammler. Leider lebt er im Überflusszeitalter. Ich sage zu Sabine, wir bekämpfen nicht dein Gewicht wir verändern dein System.
Das heißt, Bauchfett reduzieren, Entzündungen senken, die Muskel stärken, den Stress runterfahren, den Schlaf verbessern, die Hormone berücksichtigen und eine Unterstützung mit Medikamenten Frage Metformin, Frage: GLP-1-Therapie. Das, liebe Sabine besprichst du mit unserer Internistin. Ich habe schon einen Termin vereinbart. Sabine wir arbeiten mit allen Mitteln und wir werden es gemeinsam schaffen. Nicht perfekt, aber konsequent. Am Ende sagt Sabine, Barbara, ich will nicht mehr kämpfen. Ich will mich endlich verstehen. Und das ist der wichtigste Satz der Folge. Wenn ihr heute nur eins mitnehmt, Fett ist nicht dein Feind. Dein Körper arbeitet manchmal falsch programmiert.
Und niemand ist weniger wert wegen einer Zahl auf der Waage. Ich bin Barbara Müller und ich glaube fest daran. Verstehen ist der erste Schritt zur Veränderung Nicht Scham, nicht Hass, sondern Wissen mit Herz.: Passt gut auf euch auf, eure Barbara. Wenn ihr mich unterstützen wollt, bewertet den Podcast bitte und empfehlt ihn weiter. Alles Liebe, Barbara.
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