Selbstmord mit Messer und Gabel
Shownotes
Kann man sich mit Essen umbringen? Ja. Ganz langsam, ganz still – und gesellschaftlich akzeptiert. In meiner neuen Podcast-Folge spreche ich über ein Thema, das viele lieber verschweigen: Adipositas als lebensbedrohliche Erkrankung.
Niemand isst, um zu sterben – aber viele essen, um etwas zu fühlen. In dieser Folge erzählt Diabetesberaterin Barbara Müller die Geschichte von Franz, 61 Jahre alt, 176 kg, der kaum noch am Leben teilnehmen kann.
Franz' Alltag Franz lebt zurückgezogen bei seiner Tante. Sein einziges Erlebnis: der Gang zum Supermarkt. Laufen, Treppen, Selbstversorgung – alles ist zum Marathon geworden. Für Franz ist Essen nicht nur Nahrung, sondern Trost, Beziehung und Beruhigung. Er trinkt literweise Saft und sagt: „Ist doch gesund, man braucht ja Vitamine."
Der Satz, der sprachlos macht „Ich weiß, irgendwann hält mein Körper das nicht mehr aus. Dann habe ich mich mit Messer und Gabel selbst getötet."
Doch dann der Wendepunkt: „Ich will mehr vom Leben, aber ich schaffe es nur nicht allein." Ein Nachbar hat den Termin ausgemacht – vielleicht Franz' größtes Glück.
Warum Franz GLP-1 ablehnt „Wenn ich weniger Hunger habe, dann habe ich gar nichts mehr." Für Franz ist Essen die letzte verbliebene Beziehung. GLP-1 würde helfen – aber nur, wenn er bereit ist, sich emotional neu aufzustellen.
Adipositas ist eine Krankheit Franz ist nicht faul, er hat nicht versagt. Er hat Adipositas – eine chronische Erkrankung, beeinflusst durch Genetik, Hormone, Stoffwechsel, Psyche und Lebensgeschichte.
Realistische Therapiemöglichkeiten Multimodale Therapie: Ernährung + Verhaltenstherapie + Bewegung + soziale Unterstützung GLP-1 als Option, kein Muss Bariatrische Chirurgie bei hohem BMI – nicht als Kapitulation, sondern als Lebensrettung Ziel: Nicht schlank werden, sondern wieder gehen können, weniger Schmerzen, länger leben Kernbotschaften ✅ Adipositas ist eine Krankheit, kein Charakterfehler ✅ Hilfe annehmen ist Mut, kein Scheitern ✅ Solange jemand sagt „Ich will mehr vom Leben", ist noch nichts verloren
Hinweis: Diese Folge behandelt sensible Themen rund um Adipositas, Gesundheit und psychische Belastung. Wenn du selbst Unterstützung brauchst, wende dich bitte an eine Fachperson.
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Transkript anzeigen
Barbara Müller: Niemand isst um zu sterben, aber viele essen, um etwas zu fühlen und verlieren dabei fast alles. Hallo ihr Lieben hier ist wieder eure Barbara Müller, Diabetesberaterin mit Herz und manchmal auch mit Geschichten die erstmal schlucken lassen. Ich freue mich so, dass ihr wieder da seid. In meinem Schulungsbüro oder Schulungsraum steht ein großes Glas mit Bügelverschluss.
Drinnen befindet sich Messer und Gabel, ein Besteck. Außen sind Totenköpfe, Verbotszeichen und Gefahrenzeichen aufgeklebt Diese Gläser nenne ich Redekläser. Sie geben: Anstoß über ein spezielles Thema zu sprechen Auch gut einsetzbar, wenn die Schulungsgruppe schon im Raum sich versammelt. Die Schulungskraft ist noch nicht anwesend aber die Diabetesberaterin oder die Adipositasberaterin hat damit das Gespräch der Anwesenden schon auf das Thema gelenkt, was Thema in der Stunde ist. Ja, das ist eine Idee für meine lieben Schulungskolleginnen, um euch eure tägliche Arbeit zu erleichtern. Denkt immer dran, allein ist man gut, gemeinsam ist man unschlagbar. Dieses Glas setze ich ganz oft ein, nicht weil ich schockieren will, sondern weil es eine Wahrheit zeigt, über die wir viel zu selten sprechen.
Ja, man kann sich mit: Essen umbringen. Ganz langsam, ganz still und vor allen Dingen sozial akzeptiert. Und genau darum geht es heute. Heute haben wir ein schweres Thema. Das Glas mit dem Messer und der Gabel ist ein Metapher. Wenn Menschen dieses Glas sehen, lachen manche ganz nervös. Andere sagen, ganz schön drastisch.
Das ist ja krass Barbara. Und jetzt? Erzähle ich euch von franz ganz still franz ist 61 jahre alt er ist ein meter 67 groß und er wiegt 176 kilo früher hat franz bei der stadt gearbeitet: er war bei dem ordnungsamt franz hat nie eine frau gefunden und ist auch sehr einsam Und er kann auch nicht mehr arbeiten. Sein Körper ist fassförmig Er hat eine ganz massive Fettschürze. Reicht ihm fast bis zu den Knien. Und Franz, er schwitzt stark. Er riecht sich selbst nicht mehr gerne. Er hat immer das Gefühl er riecht nach Schweiß nach Urin Auch seine Hautfalten, die machen ihm zu schaffen. Er hat oft Entzündungen. Er kann seinen Körper nicht mehr richtig versorgen.
Wenn er irgendwo ist, denkt er immer, die Leute riechen ihn schon von Weitem. Und er kann die Blicke der Menschen sehen Kaum mehr ertragen die blicke der menschen sagen ihm: wie kann man sich denn nur so zu richten das kann doch kein körper aushalten das können die organe nicht schaffen das ist doch unmöglich laufen kann er kaum noch wenn er aufsteht muss er sich erstmal auspendeln er muss das gleichgewicht finden Dann läuft er schleppend los er keucht er hat kaum luft eine treppe fast unmöglich er geht nur noch vom auto ins lebensmittelgeschäft parkt dort direkt vor der tür er ist immer froh wenn er einen parkplatz findet dann schnell den einkaufswagen holen Dass er sich abstützen kann.
Und dann kommt sein einziges schönes Erlebnis.: Er kauft Essen. Er bleibt lange im Laden, schaut sich alles an. Denn er muss ja seinen riesigen Körper versorgen. Das ist noch seine einzige Aufgabe. Franz ist für einen Moment ganz glücklich, wenn er die leckeren Lebensmittel in seinem Wagen sieht. Dann an der Kasse erkennt schon die mitleidigen Blicke der Kassiererin.
Er versucht immer, einen lockeren Witz zu machen. Das gelingt ihm aber nicht. Er bezahlt und nun beginnt der Marathon für ihn. Die Lebensmittel müssen ins Auto. Er setzt sich in den Kofferraum, lädt ganz langsam den Einkaufswagen aus. Er kann kaum: mehr. Die Anstrengung ist riesig. Zu Hause angekommen, legt er sich erst mal eine Stunde aufs Bett, bevor er die Einkäufe in seine Einliegerwohnung in den Keller bringt. Dann endlich ist es geschafft. Er hat den Kühlschrank gefüllt und ist erst mal glücklich. Er verhungert nicht. Das ist sein Radius Das ist sein Alltag. Franz wohnt bei seiner Tante Hilde, im Keller, in der Einliegerwohnung. Das ist praktisch für ihn. Das Einzige was Franz wirklich noch hat, ist Essen. Und ganz ehrlich, Essen ist ihm treu.
Essen widerspricht ihm nicht, es tröstet ihn. Essen ist immer da.: Solange er noch die Einkäufe bewältigen kann. Franz liebt Saft flüssige Kalorien, flüssiger Trost. Apfelsaft und Multivitaminsaft trinkt er am liebsten. Ist doch gesund, sagt er. Man braucht ja Vitamine Er mag kein Obst auch kein Gemüse. Da muss man ja zu viel kauen Wissenschaftlich heißt das, flüssige Kalorien sättigen kaum, gehen schnell ins Blut und treiben Gewicht und den Blutzucker massiv nach oben.
Franz trinkt Kalorien, die sein Körper nicht mehr verarbeiten kann. Was ganz wichtig ist, eine Botschaft. Franz ist nicht faul, er ist krank. Franz hat auch nicht versagt Er hat Adipositas, eine: chronische, komplexe Erkrankung, beeinflusst vielleicht durch die Genetik durch Hormone, durch den Stoffwechsel, durch die Seele, vielleicht auch durch Medikamente, aber vielleicht auch durch seine Lebensgeschichte. Franz hat schon ganz vieles versucht, Diäten, Medikamente Programme und die guten Vorsätze. Und jedes Scheitern hat ihm ein Stück Hoffnung genommen. Warum Franz GLP-1 ablehnt? Damit hat es sein Arzt versucht und hat es gut mit ihm gemeint. Franz sagt, wenn ich weniger Hunger habe, dann habe ich gar nichts mehr.
Ja das ist ehrlich aber auch tief traurig für ihn ist: essen nicht nur nahrung es ist belohnung es ist beziehung und es ist eine beruhigung gelb 1 würde helfen ja aber nur wenn der mensch dazu bereit ist sich emotional neu aufzustellen Und Zwang funktioniert nicht. Jetzt noch mal ein kleiner wissenschaftlicher Teil.
Was sind Franz' Möglichkeiten? Ganz ehrlich, realistisch, ohne Märschen. Er muss Adipositas als Krankheit akzeptieren. Ohne Schuld, ohne Scham das ist erstmal die Basis für die Therapie. Und er braucht eine multimodale Therapie keine Einzelbausteine. Er braucht Ernährungsmedizin, Verhaltenstherapie, Bewegungstherapie: gegebenenfalls auch eine soziale Unterschützung. GLP-1 ist eine Option, kein Muss. Es gibt Alternativen aber alle brauchen Begleitung. Zum Beispiel auch eine bariatrische chirurgische Operation wäre möglich. Bei einem BMI größer 40 oder bei einem BMI größer 35 mit Begleiterkrankungen medizinisch wäre das auch sinnvoll Eine Möglichkeit Und das nicht als Kapitulation, sondern für Franz als Lebensrettung.
Und er braucht wieder Würde und Lebensqualität. Und das Ziel ist, nicht schlank zu werden. Das Ziel ist, wieder gehen zu können, weniger Schmerzen haben, selbstständig zu sein und: vor allen Dingen, dass er auch länger leben kann. Der Satz der mir die Sprache nahm Franz sitzt mir gegenüber und sagt, ich weiß, irgendwann hält mein Körper das nicht mehr aus. Dann habe ich mich mit Messer und Gabel selbst getötet. Und ja, da fehlen auch mir Kurz die Worte. Aber Franz will leben. Und dann sagt er noch etwas. Ich will mehr vom Leben, aber ich schaffe es nur nicht allein. Der Termin bei mir, den hat der Nachbar ausgemacht. Und das, ihr Lieben war vielleicht Franz größtes Glück.
Hoffnung, leise aber escht. Wir fangen ganz: klein an, Franz, nicht mit Verboten nicht mit Druck, sondern mit Würde mit Struktur, mit medizinischer Klarheit und einem Ziel, Leben verlängern, nicht das Essen verkleinern. Ihr Lieben wenn ihr heute nur eins mitnehmt dann bitte das. Adipositas Ist kein charakterfehler es ist manchmal ein überlebensversuch und hilfe anzunehmen ist kein scheitern sondern es ist mut ich bin barbara müller ich glaube ganz fest daran solange jemand sagt ich will mehr vom leben ist noch nichts verloren passt gut auf euch auf Alles Gute Barbara Müller.
Wenn ihr mich unterstützen wollt,: bewertet den Podcast bitte und empfehlt ihn weiter. Alles Liebe, Barbara.
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